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In den nebelverhangenen Hügeln der Provinz Mino, wo im Frühling die Kirschbäume ihre Blütenblätter wie Tränen fallen lassen, lebte ein Mann, dessen Name durch die Täler des feudalen Japans hallte. Miyamoto Musashi, der berühmteste Samurai, den das Land der aufgehenden Sonne je kannte, wanderte allein auf dem Pfad zur Vollkommenheit. Seine Seele war so scharf wie die beiden Schwerter, die er an seiner Hüfte trug – das eine lang wie der Herbstmond, das andere kurz wie ein Blitz.

Musashi war mehr als ein Krieger; er war eine lebende Legende, ein Dichter der Klinge, ein Philosoph der Schlachtfelder. Jeder Zweikampf, den er bestritt, war ein makabrer und anmutiger Tanz, in dem sich Tod und Leben wie die Äste einer uralten Kiefer verflochten. Man sagte, sein Blick durchdrang die Seelen seiner Gegner, noch bevor sich ihre Schwerter kreuzten. Er hatte über sechzig Gegner besiegt, bevor er dreißig wurde, doch es ging ihm nicht um die Zahl – es ging um die Suche. Die Suche nach einer reinen Wahrheit, befreit von aller Illusion, in der jede Bewegung ein Vers war, kalligraphiert mit der Tinte des Schicksals.

Eines Morgens, als der Nebel noch über den Reisfeldern lag, stand Musashi auf einer morschen Holzbrücke und blickte Sasaki Kojirō gegenüber, dem Meister des Langschwerts. Kojirō, stolz und gefürchtet, führte eine Klinge, die so lang war, als berühre sie den Himmel. Die Dorfbewohner, im Schatten verborgen, hielten den Atem an. Der Wind wehte zwischen den beiden Männern hindurch und trug das Flüstern der Ahnen mit sich. Musashi kam zu spät, schnitzte mit seinem Messer einen Bokken – ein Holzschwert – als wollte er allen ins Gedächtnis rufen, dass wahre Stärke nicht im Stahl, sondern im Geist liegt.

Als sich die beiden Krieger endlich gegenüberstanden, lächelte Musashi, nur bekleidet mit einem verblassten Kimono. Er wusste, dass dieser Zweikampf kein Kampf der Kraft, sondern eine Symphonie der Präzision sein würde. Kojirō griff als Erster an, seine Klinge zischte wie ein wütender Drache. Doch Musashi blieb regungslos, wartete. Er wartete, bis die Sonne durch die Wolken brach und seinen Gegner mit goldenem Glanz blendete. Dann, in einer fließenden Bewegung, ließ er seinen Bokken auf Kojirōs Stirn niedersausen und zerschmetterte dessen Schädel wie eine Eierschale. Die Menge verstummte, wie erstarrt. Musashi verneigte sich, ging dann schweigend davon und ließ den leblosen Körper seines Feindes und die Last eines Sieges zurück, der ihm keine Freude bereitete.

Die Jahre vergingen, und Musashi durchwanderte Japan, auf der Suche nicht nach Gegnern, sondern nach Weisheit. Er verfasste Das Buch der fünf Ringe, eine Abhandlung, in der er lehrte, dass der Weg des Samurai einer der Annahme ist: die Annahme des Todes, die Annahme der Einsamkeit, die Annahme, dass jeder Moment sowohl ein Anfang als auch ein Ende ist. Er starb allein, in einer Höhle, umgeben nur vom Gesang der Zikaden und dem Duft wild wachsender Blumen. Man sagt, sein letzter Atemzug wurde vom Wind davongeweht, als wollte er die Welt daran erinnern, dass selbst Legenden nur Staub unter den Füßen der Zeit sind.

Samuraï

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