Die Stadt atmete, doch er konnte nicht mehr atmen. Die Straßen, diese endlos scheinenden Arterien, zogen sich wie Narben über einen zu großen Körper. Jeder Schritt hallte wider, verstärkt von den Gebäuden, die gleichgültig zu beiden Seiten des Gehwegs standen. Hier gab es keinen Himmel, nur eine graue Leinwand, die sich zwischen den Dächern spannte, wo das Tageslicht verlosch, bevor es den Boden erreichte.
Die Gesichter, die er passierte, waren bewegliche Schatten, hastige Silhouetten, die aneinander vorbeiglitten, ohne sich jemals zu begegnen. Niemand blieb stehen. Niemand blickte zurück. Er fühlte sich durchsichtig, wie ein Hauch im Wind – anwesend und schon wieder gelöscht.
Die flackernden Schilder, das gedämpfte Lachen hinter Café-Fenstern, das ferne Hupen – all das bildete eine dissonante Symphonie, eine Melodie, die ihm erinnerte, dass er da war, ohne zu wissen, warum. Er setzte sich auf eine Bank, seine Hände umklammerten einen lauwarmen Kaffeebecher, als könnte er daraus Wärme ziehen, um sich selbst zurückzuholen. Doch die Flüssigkeit schmeckte nach Abwesenheit.
Eine Straßenbahn ratterte vorbei und trug die letzten Fetzen seiner Gedanken davon. Er schloss die Augen. Hinter seinen Lidern sah er nicht Dunkelheit, sondern eine zerrissene Karte, ein U-Bahn-Netz mit verschlungenen Linien, ohne Anfang, ohne Ende. Er war ein verlorener Punkt in diesem Netz, ein Punkt, der zu keiner Linie gehörte.
Als er die Augen wieder öffnete, war die Nacht hereingebrochen. Die Straßenlaternen warfen Lichtkreise auf den Asphalt, flüchtige Inseln, an denen er sich hätte festhalten können – wenn er nur gewusst hätte, wie. Doch die Schatten dehnten sich aus, gierig, und die Stadt atmete weiter, gleichgültig gegenüber denen, die in ihr ertranken.
Er stand auf. Vielleicht würde es ihn irgendwohin führen, weiterzugehen, zufällig abzubiegen. Vielleicht hatte die Stadt, in ihrer Weite, einen Platz für ihn, eine Ecke, an der er aufhören würde, sich selbst wie ein Fremder zu fühlen.
Oder vielleicht würde er einfach lernen, verloren zu sein, bis es zur zweiten Natur würde.
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